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S i s s y


Sie ist der Ausgangspunkt für alle Jungtiere, die wir betreuten. Zuerst waren es Lea, Elsa und Püppi. Ihr letzter Wurf waren, Micky, Felix, Grisu, und Paula. Wie kam es überhaupt dazu, daß sie ihre Jungen bei uns zur Welt brachte. Als wir sie nach unserem letzten Umzug 2006 hier kennenlernten, war sie ein ausgehungertes, verflohtes, verwurmtes und geschundenes, ängstliches Tier. Und, so jung sie auch war, hatte sie schon mindestens 2 x Junge zur Welt gebracht. Diese wurden jeweils auf dem Bauernhof, bis auf eines, getötet. Entweder mit der Schaufel, oder aber sie wurden dem Hund vorgeworfen, der diese grausame Arbeit dem Herrchen abnahm. Lediglich eines durfte überleben, damit der Sohn des Hauses etwas zum Spielen hatte. Dazu wurden Sissy, die alles mitbekam, und ihr Junges eingesperrt und nur zum Spielen herausgelassen. Dies alles erfuhren wir leider erst später und auch nur durch Hörensagen. So konnten wir nicht einmal etwas dagegen unternehmen.

Im Sommer 2006 konnten wir eine unnormale Gewichtszunahme an ihr beobachten, und nach gut 2 Monaten war sie von einem auf den anderen Tag erheblich dünner. Uns war klar, daß sie irgendwo ihre Jungen zur Welt gebracht hat. Wir haben ihr durch Futtergaben wieder ein wenig Vertrauen zum Menschen zurückgeben wollen. Sie nahm diese Möglichkeit auch an. Denn wir konnten sehen, daß sie regelmäßig ganz schnell und geduckt zum Futter lief. So schnell sie kam, verschwand sie auch wieder. Wir nahmen an, daß sie so ihre Jungen mit versorgte. Eines Tages sahen wir sie dann, wie sie ihre Jungen zum Futter führte. Es waren 3 kleine Raubkatzen auf Abenteuertour mit Mama. Wir beschlossen, die Jungen einzufangen und für sie zu sorgen. Leider haben wir nur 2 der 3 Kleinen, nämlich Elsa und Püppi, einfangen können. Die dritte blieb verschwunden. Sissy und ihr drittes Junges machten sich davon. Sissy selbst sahen wir noch öfter. Das Junge aber nicht mehr. Dieses 3. Junge hatte eine Zeichnung, die man immer wieder erkennt.

Irgendwann blieb Sissy eine ganze Weile weg und wir machten uns schon Sorgen. Plötzlich tauchte sie dann aber doch wieder auf und humpelte auf einem Vorderlauf. Ohne Probleme ließ sie sich einfangen und wir konnten sie beim Tierarzt versorgen lassen. Es stellte sich heraus, daß sie von ein er Ratte gebissen wurde. Der Biss ging leider direkt ins Gelenk, was die Sache nur noch schwieriger in der Behandlung machte. Hochdosiertes Antibiotika und Stilllegung der Pfote führten dann aber doch zur Heilung. Dennoch hatte sie später immer wieder einmal Probleme, wenn sie unbedacht die Pfote benutzte. Selbstverständlich wurde sie nicht im Haus eingesperrt, da sie Freilauf gewohnt war. So lief sie draußen herum und lebte ihr Leben. Den nächsten Schock versetzte sie uns, als sie schwer verletzt hier auftauchte. Wieder mußten wir mit ihr zum Tierarzt, der einen Beckenbruch feststellte. Im Nachhinein stellte sich aber heraus, daß dieser Bruch wohl nur ein Haarriss gewesen sein konnte, da sie in der Lage war, selbst zu laufen. Keine dieser Behandlungen nahm sie uns übel, denn sie kam immer wieder zu uns.

Da sie von nun an täglich hier auftauchte, konnten wir beobachten, wie sie wieder immer dicker und dicker wurde. Jetzt habe ich aber eine Art mit Katzen zu sprechen, die mein Mann nie begreifen wird. Ich redete immer wieder auf Sissy ein, daß sie ja herkommen soll, wenn sie wieder Junge bekommen sollte, damit ihnen keiner etwas antun kann. Dies wiederholte ich immer und immer wieder wenn ich sie sah. Ich kann nicht sagen, ob Sissy das verstanden hat oder nicht. Man konnte aber den Eindruck bekommen. Denn, als es im August 2007 wirklich soweit war, reagierte sie wie ihr erzählt wurde. Ich brachte den Müll zum Mülleimer und Sissy sah mich. Schnurstracks kam sie zu mir und mauzte so laut und heftig, daß ich, die sofort begriff was los war, ins Haus stürmte und das Badezimmer für Sissy herrichtete. Dies erledigte ich in einem Tempo, daß ich ins Schwitzen geriet. Währenddessen, man soll es nicht glauben, saß Sissy auf der Fensterbank und wartete. In Rekordzeit war das Bad desinfiziert, gereinigt und mit Körbchen versehen, und das Fenster konnte geöffnet werden. Keine Stunde später erblickte das erste Junge das Licht der Welt. Bis zum späten Nachmittag lag der ganze Wurf von 4 Kätzchen sauber und versorgt im Körbchen. Natürlich wollte ich Sissy helfen oder zumindest zusehen. Helfen durfte und brauchte ich nicht. Aber das Anfassen der Jungen erzeugte bei Sissy einen ungeheuer ängstlichen Blick, der uns durch Mark und Bein ging. Sie brachte dies augenscheinlich mit ihren schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit in Verbindung. Es dauerte über 2 Wochen, bevor sie soweit war, nicht mehr soviel Angst um ihren Nachwuchs zu haben. Um dies zu erreichen, redeten wir ihr immer gut zu wenn wir eines der Jungen nahmen, und legten dies auch umgehend wieder zu ihr ins Nest. Es war ungeheuer schön zu beobachten, wie Sissy immer mehr Vertrauen zu uns gewann. Monatelang blieb Sissy nun mit ihren Kleinen freiwillig im Bad und versorgte diese rührend. Nachdem auch diese Rasselbande alt genug war, gewöhnten wir sie in alt bewährter Weise an die Gruppe. Der mit Maschendraht besetzte Rahmen kam wieder zum Einsatz. Alt und groß genug, wurden auch sie dann in die Gruppe entlassen. Da wuselten nun 4 kleine Plagegeister neugierig durch die Welt und mußten alles genau untersuchen. Immer unter den Augen der wachsamen Mutter, machten sie nun die große, weite Welt unsicher, die es zu erobern galt. Sissy selbst fing nun sichtlich an das Leben zu genießen. Sie hatte nun auch wieder Zeit für sich und nutzte diese weidlich aus. Sie erkundete ebenfalls ihr neues Zuhause bis in die entlegendsten Winkel. Natürlich sparte sie auch den Garten nicht aus. Da ihr alle anderen Mitbewohner schon bekannt waren, gab es kaum noch Berührungsprobleme. Sicher ist es etwas anderes, wenn noch ein Gitter dazwischen ist. Ohne aber gab es nur kleine Rangeleien, die meist darauf zurückzuführen waren, daß sie ihre Kleinen meinte schützen zu müssen. Nach ca. einem Jahr aber ist sie nun, da sehr selbstsicher, diejenige, die Streitereien schlichtet.

Eine Macke allerdings hat sie doch. Sie ist sehr besitzergreifend. Dies äußert sich darin, daß jede andere Katze umgehend in die Flucht geschlagen wird, wenn man sich um sie kümmert. Da hilft kein Schimpfen und kein gutes Zureden. Sie ist dann für diese Augenblicke die Königin der Welt. Und da hat niemand ihre Kreise zu stören. Die übrige Zeit aber ist sie ein herzensgutes Tier, welches seine neu gewonnenen Freiheiten und Annehmlichkeiten zu schätzen weiß und keinerlei Anstalten mehr macht, nach draußen zu wollen.